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Erweiterung und Umbau eines Kongresszentrums

Maßnahmen
Architektur, Innenarchitektur, Leitsystem
Bruttogeschossfläche
9.840 Quadratmeter
Fotografie
Thorsten Alexander Karl, Stuttgart
Bauherr
Stadt Würzburg




Basisdaten zum Objekt

Lage des Objekts Würzburg
Objektkategorie Sanierung
Objektart Messehallen
Art der Baumaßnahme Erweiterung und Umbau

Planerische Meisterleistung

In nur 18 Monaten hat Blocher Blocher Partners das 1985 in Betrieb genommene Congress Centrum Würzburg modernisiert, umgebaut und um 3.000 Quadratmeter und damit knapp das Doppelte der vorherigen Kongress- und Ausstellungsfläche auf 6.400 Quadratmeter vergrößert. Der Um- und Neubau war in vier Bauphasen unterteilt, zwei davon veranstaltungsfrei (jeweils drei beziehungsweise vier Monate), zwei während des laufenden Betriebs. Das Gros der Arbeiten fand dabei parallel zum Regelbetrieb statt; für substanzielle Eingriffe standen oft nur knappe Zeitfenster zur Verfügung.

Lärmintensive Arbeiten mussten auf den Veranstaltungskalender abgestimmt werden, Stundenpläne minutiös danach getaktet, wann und wo mit welchen Mitteln gearbeitet werden konnte ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Die ausführenden Firmen wurden zudem mithilfe sogenannter Flächenterminpläne statt der üblichen Bauzeitenpläne koordiniert. Nur so war es möglich, die lediglich von Zeit zu Zeit freien Räume fristgerecht fertigzustellen. Im Herbst 2014 etwa fand inmitten der Hochphase der Bauarbeiten ein medizinischer Weltkongress mit 600 Teilnehmern im Gebäude statt. Es bedurfte einer detaillierten Planung, um die Beeinträchtigungen für die Kongressbesucher und Gäste des angrenzenden Hotels auf ein Minimum zu reduzieren. Eine besondere Herausforderung stellte auch die dritte Bauphase dar, bei dem in drei veranstaltungsfreien Monaten der komplette Bestandsbereich zurückgebaut und der Innenausbau inklusive Technikinstallationen finalisiert werden musste. Zunächst war der Bestand mit der neuen Konstruktion überbaut worden, um ihn in ebendieser Phase zurückzubauen und Alt und Neu miteinander zu verbinden. Ein Bautagebuch mit rund 500 Seiten Exceltabellen ist stiller Zeuge dieser planerischen Meisterleistung, bei der es nicht nur darum ging, dem Congress Centrum neue Flächen abzugewinnen, sondern den Bestand möglichst harmonisch zu integrieren und zu modernisieren.

Die minutiöse Planung zahlte sich aus: Sämtliche Bauabschnitte wurden pünktlich an die Bauherrenschaft übergeben – ohne, dass auch nur eine Veranstaltung verschoben werden musste. Und noch mehr: Gemessen an der Komplexität der Aufgabe war es vermutlich eine der leisesten Großbaustellen der Stadt.

Hohe Nutzungs- und Aufenthaltsqualität

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Bedeutung ist das Congress Centrum der wichtigste Motor für Würzburg als Konferenz- und Tagungsstandort. Um die Bedeutung als Austragungsort wissenschaftlicher Kongresse nachhaltig zu sichern, entschloss sich die Stadt zur Umgestaltung und Erweiterung ihres größten Veranstaltungszentrums.

Entscheidend für die hohe Nutzungs- und Aufenthaltsqualität sind vor allem zwei Veränderungen: Die Abkehr vom wintergartenähnlichen Glasanbau an der Ecke Kranenkai/Friedensbrücke zugunsten des auskragenden, multifunktionalen Konferenzkubus im zweiten Obergeschoss, der mit seinem markanten Fachwerksträger zur stilprägenden Adressbildung des CCW anno 2015 beträgt. Und die Umwidmung der wenig frequentierten Passage im Erdgeschoss, die als sogenannter Durchstecker zum attraktiven Erschließungselement und zugleich zur wertvollen Nutzfläche aufgewertet worden ist. 

Im Zuge der Neugliederung gibt es nun faktisch nicht nur zwei Kongresszentren unter einem Dach – mit großem Saal, lichtdurchfluteten Foyers, großzügigen Ausstellungs- und Präsentationsflächen sowie zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten von Veranstaltungsräumen. Durch den autarken Charakter des Hauses lassen sich nun auch zwei große Events parallel und doch unabhängig voneinander abhalten. Überhaupt versprechen die drei Ebenen – Passagen-, Saal- und Konferenzebene - größtmögliche Flexibilität und vielfältigste Belegungsvarianten – und das bei kurzen Wegen und optimaler Anbindung an Hotel und Stadtraum.

Das Gebäude präsentiert sich einerseits in einer nie gekannten Offenherzigkeit, andererseits sorgen konstruktive Verdunkelungseffekte dafür, dass das CCW zwischen öffentlicher Wahrnehmung und intimer Veranstaltungsatmosphäre changiert. Der Sonnenschutz in Form perforierter Lamellen schiebt sich entlang der Panorama-Glasfront – je nach Bedarf – wie eine Ziehharmonika auseinander oder zusammen. In Kombination mit dem als Blendschutz dienenden bodenlangen Vorhängen und Verdunkelungsrollos im Innern wird jedem Fluidum Rechnung getragen – von konzentriert bis festlich.

Geradezu leicht erscheint das gewandelte CCW, was auch mit der neuen Farbgebung zu tun hat: In seiner warmen, metallischen Außenhaut korrespondiert es mit den ortstypischen Fassaden aus Sandstein und Muschelkalk – und liefert damit ein klares Bekenntnis für einen starken Kongress- und Tagungsstandort.

Ein und Ausblicke

Allein durch den kreativen Umgang mit der Passagenebene sind rund 800 Quadratmeter zusätzlicher Innenraum entstanden. Auf der Konferenzebene mit ihrem herrlichen Ausblick auf Main und Festung Marienberg gibt es weitere 680 Quadratmeter, verteilt auf vier Nutzungseinheiten. Dank variabler Trennwände sind aber verschiedenste Veranstaltungsformate für bis zu 600 Personen denkbar.

Über alle Etagen hinweg stehen jetzt zusätzliche 3.000 Quadratmeter zur Verfügung – womit sich die nutzbare Fläche fast verdoppelt hat. Rechnet man die Räume des Maritim Hotels hinzu, stehen nun 13 Räume für bis zu 2500 Tagungs- und Kongressteilnehmer bereit; das heißt, die Kapazität des CCW ist um fast 1000 Personen gestiegen.

Dank vier um das Gebäude situierter Eingänge und eines neuen Treppenhauses an der zum Main gelegenen Seite, erschließt sich Besuchern das CCW jetzt deutlich besser; außerdem ist es erstmals komplett barrierefrei zugänglich. Kunstvoll illuminierte Oberlichter, transluzente Fassadenbänder und Lufträume geben Besuchern ein Gefühl für die Dimensionen des Hauses.

Das geschossübergreifende Prinzip von Ein- und Ausblicken führt zu reizvollen Blickbeziehungen zwischen den Etagen und mit der städtischen Umgebung. Und erleichtert so die Orientierung, zumal das CCW mit einem teils digitalen Wege- und Leitsystem versehen wurde, das Besucher früh abholt, zielgerichtet führt und stets über die internen Abläufe in Echtzeit informiert.