„Ressourcen schonend einsetzen” – Architekt Lauterbach im Interview

Ein Gespräch mit Klaus Lauterbach

Wieso sollten private Bauherren einen Architekten für die Planung und den Bau ihres Eigenheims beauftragen? Welche Vorteile bieten sich gegenüber Bauträgern etc.?

Nur der freie Architekt kann wirklich unabhängig die Belange der Bauherren vertreten. Denn er ist frei von beeinflussenden Interessen. Die Mitarbeiter eines Bauträgers müssen hingegen loyal ihrem Arbeitgeber gegenüber sein. Das steht letztlich im Widerspruch dazu, die Bauherreninteressen voll und ganz durchzusetzen.

Was zeichnet ein modernes privates Eigenheim aus? Wo liegen die aktuellen Trends?

Bei der äußeren Form ist heute der Quader mit flachem Dach im Vintage-Look modern. Dabei werden alte Handwerkstechniken und Oberflächen wiederentdeckt. Im Inneren ist hingegen hochwertige Technik nach neuestem Stand gefragt.

Wie lassen sich hochwertige Gestaltung und Bezahlbarkeit harmonisch vereinen?

Eine hohe Kosteneffizienz ergibt sich durch ein hohes Maß an Purismus im weiteren Sinne. Die Bauherren sollten gemeinsam mit dem Architekten genau überlegen, welche Ansprüche sie an ihr Haus haben und sich dann auf das Notwendige beschränken.

In welchen Bereichen sollten Bauherren auf keinen Fall sparen?

Das Wichtigste ist die Qualität des Entwurfs. Er muss den Gegebenheiten vor Ort angepasst sein und dabei auch die Belange der Nachbarn berücksichtigen – wenn man nicht Jahre warten möchte, bis ein natürlicher Sichtschutz gewachsen ist, oder ein Grundstück kauft, dass groß genug ist fernab jeder Nachbarschaft zu bauen. Die Gestaltungsvorschriften der Bauämter nehmen inzwischen immer weiter ab. Ich finde allerdings, dass das Haus dennoch ins Umfeld passen sollte.

Wie ist das Thema Nachhaltigkeit im Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern und im Bewusstsein der Bauherren verankert?

Die Vorgaben zur Energieeinsparung sind durch die gesetzlichen Vorgaben sehr hoch. Im Grunde wirkt jeder Bauherr daher ganz automatisch am nachhaltigen Bauen mit. Aktiv gefragt, welche ressourcenschonenden Möglichkeiten es beim Bau gibt, wird allerdings selten bis gar nicht.

Wie lassen sich Ein- und Zweifamilienhäuser besonders energieeffizient gestalten?

Der Weg zu einem energieeffizienten Eigenheim führt über eine geringe Oberfläche der Gebäudehülle und eine effektive Dämmung. In der architektonischen Planung spielt dieses Thema allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Für den normalen Bauherrn ist vielmehr entscheidend, dass ein bestimmtes, mit dem Architekten erarbeitetes Raumprogramm umgesetzt wird. Gemäß dem Grundsatz „Form follows function“ ist es dann die Aufgabe des Architekten, das Traumhaus so auszugestalten, dass es allen Vorgaben von Baurecht, Energieeinsparverordnung (EnEV) oder auch den Leitfäden zur Umsetzung von Passivhäusern entspricht.

Wie sieht eine moderne Wärmeversorgung aus (u.a. Einbindung erneuerbarer Energien etc.)?

Bei einer modernen Energieversorgung sollte der sparsamste Umgang mit endlichen Ressourcen auf dem Stand der tagesaktuellen Technik angestrebt werden. In der Welt haben sich schon vielfach die negativen Folgen des Raubbaus an der Natur gezeigt – sei es das Abschmelzen der Polkappen oder Bergsenkungen im Ruhrgebiet. Für Bauherren und Immobilienbesitzer ist daher das völlig energieautarke Gebäude erstrebenswert. Mit modernen Technologien wie Photovoltaik, Solarthermie, Wärmepumpen und Ähnlichem gibt es in diesem Bereich heute viele Möglichkeiten.

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Welcher Komfort ist im modernen Hausbau möglich und gängig?

Die Möglichkeiten im Bereich der Hausautomation sind nahezu unbegrenzt. Die komplette Haustechnik lässt sich automatisieren oder fernsteuern, wenn der Bauherr das wünscht.

Welche Anforderungen stellen sich an Brandschutz?

Der Brandschutz ist durch gesetzliche Vorgaben klar geregelt. Die entsprechenden Vorschriften werden fortlaufend verschärft, sodass sich im Sinne der Nutzer ein hoher Schutz ergibt.

Wie sind die Abläufe bei einem individuell geplanten Hausprojekt? Wie werden die Bauherren eingebunden, wie läuft eine klassische Beratung ab etc.?

Im Regelfall haben die Bauherren zum Beginn des Projektes einen klaren Größenwunsch und auch bereits ein erstes Raumkonzept im Kopf. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt wird daher das Budget abgeklärt, das notwendig ist, um diese Gestaltungswünsche zu erfüllen. Dabei gibt es natürlich auch den Fall, dass die Bauherren nach baulichen Möglichkeiten fragen, um ein klar begrenztes Budget bestmöglich zu nutzen. Anhand der Vorgaben und der Lage des Grundstücks wird dann der erste Entwurf erstellt. Anhand mehrerer Zeichnungen wählen die Bauherren dann ihren Favoriten, der schließlich baurechtlich genehmigt und realisiert wird.

Worauf sollten Bauherren bei den Formalien achten? Wo lauern die Fallstricke?

Wer einen Architekten für den Bau seines Hauses wählt, sollte auf nichts achten müssen. Die Grundlage für die Beziehung zwischen Bauherr und Architekt ist, dass ein großes Vertrauensverhältnis aufgebaut wird. Wenn irgendwo Fallstricke lauern, ist es Aufgabe des Architekten diese zu beseitigen.

Wie begleiten Sie als Architekt die Bauphase? Welche Einflussmöglichkeiten gibt es für den Bauherren zu diesem Zeitpunkt noch?

Bei der Bauleitung bin ich sehr aufmerksam. Letztlich geht es um vermeidbare Schäden bei Abweichungen vorgegebener handwerklicher Ausführungen, somit um Kosten und damit schließlich um das Geld der Bauherren.

Wie verhält sich ein Bauherr richtig, wenn er einen Baumangel erkennt?

Der Bauherr sollte den Mangel auf jeden Fall dem Bauleiter melden. Am besten macht er dies in Schriftform und händigt das Schreiben vor Zeugen aus. Oder er lässt sich den Empfang bestätigen. Das widerspricht zwar erheblich dem gewünschten Vertrauensverhältnis, ist aber dennoch empfehlenswert.

Welche Bauweise bietet das größte Zukunftspotenzial?

Das größte Zukunftspotenzial hat ein gebautes Haus. Weil es schon steht! Ich sehe ein erhebliches Zukunftspotenzial beim Baustoffrecycling. Sowohl bei den sandbasierenden, gebrochenen Baustoffen als auch bei Balken aus Konstruktionsvollholz (KVH) und Holzwerkstoffplatten aus Abrissbauten. Die Materialwahl liegt aber natürlich beim Bauherrn und letztlich auch bei seinem Budget. Rein technisch gibt es richtig ausgeführt bei den verschiedenen Bauweisen nur materialtechnisch spezifische Anforderungen, die, abgesehen von den Gestehungskosten, eine einschränkende Auswahl rechtfertigen.

Welche Mehrwerte machen ein modernes Mehrfamilienhaus attraktiv?

Da gibt es eine ganze Reihe von Dingen. Ein großer Pluspunkt ist beispielsweise ein Fahrstuhl. Die Treppenhäuser und auch die Flure sollten hell und sauber sein. Gegensprechanlagen, eventuell mit Videokontrolle, bieten eine hohe Sicherheit. Bei den Medien sind schnelles Internet und sauberer Fernsehempfang gefragt. Bei den Grundrissen geht die Tendenz zur amerikanischen Variante. Sie besteht aus einem „Livingroom“ ohne Verteilerflur und ist variabel einzurichten, wobei der Küchenblock fix ist.

Was zeichnet einen modernen Firmensitz aus? Welche Ansprüche sollten Unternehmen für ihr Verwaltungsgebäude haben?

Wie jeder Bauherr will sich auch ein Unternehmen in seinem Objekt wiedererkennen. Soweit es möglich ist, wird dabei eventuell vorliegenden Vorgaben zum Corporate Design und zur Corporate Identity gefolgt. Die Tendenz bei Firmensitzen geht zu einer relativ offenen Glasarchitektur, die ein gewisses Maß an Offenheit und Transparenz symbolisiert.

Welche Anforderungen stellen sich an den modernen Industriebau? Wo liegen die aktuellen Trends?

Die Anforderungen an den Industriebau sind vor allem von wirtschaftlichem Interesse. Die Gebäudehülle soll den Mindestanforderungen entsprechen und schnell errichtet werden, um einen schnellen Betriebsstart zu ermöglichen. Außerdem soll das Gebäude möglichst geringe Folgekosten verursachen. Im Vergleich zu früher sind die Ansprüche an den Mitarbeiterschutz und die Hygiene gestiegen.

Welche Herausforderungen stellen öffentliche Bauwerke?

Bei öffentlichen Bauwerken stellen sich leicht höhere Anforderungen an den Wärmeschutz. Denn diese Gebäude sollen eine Vorbildwirkung erfüllen.

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Wie ist eine optimale Arbeitsstätte architektonisch gestaltet?

An einem optimal gestalteten Arbeitsplatz sollte sich der Arbeitnehmer mit geringem Aufwand über die gesamte Dauer der Arbeitszeit hinweg wohl fühlen. Das ist eine wichtige Grundlage dafür, dass er seine volle Leistungsfähigkeit erbringen kann und möglichst selten durch Krankheit ausfällt.

Welche Anforderungen stellen sich an den Brandschutz im Nichtwohnbau? Welche Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich?

Die entsprechenden Anforderungen werden in den Industriebaurichtlinien und anderen Publikationen geregelt. Sie stehen in Abhängigkeit zu den Flächen sowie zu möglichen Brandlasten und -quellen. Um unnötige Verzögerungen beim Bau u vermeiden, sollte das Gebäude gemäß der bestehenden Vorschriften geplant werden. „Kreative“ Abweichungen benötigen eine entsprechende Kompensation.


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