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Architekteninterview mit Thorsten Hopp: Individualität statt vorgefertigte Entwürfe

Wieso sollten private Bauherren einen Architekten für die Planung und den Bau ihres Eigenheims beauftragen? Welche Vorteile bieten sich gegenüber Bauträgern etc.?
Der Architekt ist der Vertreter der Bauherrschaft. Er dient ihm in allen Bereichen und sorgt dafür, dass die Kosten und der Zeitrahmen eingehalten werden. Außerdem kontrolliert er unabhängig die Qualität auf der Baustelle und sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Der Architekt fragt dabei auch den Markt ab. So wird für jedes Gewerk ein eigenes Leistungsverhältnis erstellt. Der günstigste Anbieter bekommt den Zuschlag, sodass sich Kosten sparen lassen. Damit sind die Mehrkosten für einen Architekten voll und ganz gerechtfertigt, da sie an anderer Stelle wieder eingespart werden und der Bauherr gleichzeitig ein Haus erhält, das voll und ganz seinen Wünschen und seinem Qualitätsanspruch entspricht.

Vielfach wollen Familien ein bestehendes Gebäude kaufen und dann Ihren eigenen Wünschen anpassen. Welche Vorteile bieten sich dabei und welche Beschränkungen ergeben sich?
Wenn jemandem ein altes Haus sehr gefällt, kann dieses Vorgehen in jedem Fall sinnvoll sein. Der Kauf eines Altbaus ist nicht unbedingt billiger als ein Neubau. Der Vorteil liegt darin, dass man manche Investitionen zeitlich strecken und Maßnahmen etwas später durchführen kann. Machen kann man im Altbau gestalterisch grundsätzlich alles. Allerdings finde ich, dass man den Altbau vom Thema aufnehmen und hinterher auch noch erkennen sollte. Spannend ist, den Neubau und den Altbau in Zusammenhang zu bringen, indem man das alte Gebäude beispielsweise durch einen modernen Anbau ergänzt.

Was zeichnet ein modernes privates Eigenheim aus? Wo liegen die aktuellen Trends?
Das ist regional sehr unterschiedlich. Ich habe den Eindruck, dass moderne Bauformen angenommen werden. Flach- oder Pultdächer sind keine Seltenheit mehr. Der Rohbau wird immer noch sehr stark in massiver Bauweise ausgeführt. Poroton ist als dämmstarker Stein dabei auf dem Vormarsch. Der Trend zum Holzhaus ist schwächer geworden. Generell zeigt sich eine hohe Qualität bei den eingesetzten Materialien: Bei Zimmererarbeiten ist heute beispielsweise die Verwendung von Konstruktionsvollholz üblich, bei den Fenstern sind Dreifachverglasungen und U-Werte von unter 1,0 durchaus normal. Bei den Oberflächen ist Parkett nach wie vor stark, aber auch Fliesen, insbesondere großflächige, werden häufig eingesetzt. Außerdem ist Holzoptik sehr gefragt.

Wie lassen sich hochwertige Gestaltung und Bezahlbarkeit harmonisch vereinen?
Hochwertige Gestaltung muss nicht teuer sein. Wichtig ist, dass man den Entwurfsgedanken konsequent durchläuft. Konsequenz ist hier entscheidend. Der Gestaltungsansatz kann unterschiedlich sein.

In welchen Bereichen sollten Bauherren auf keinen Fall sparen?
Im Entwurfsstadium ist das Wichtigste die Zeit. Hier sollte der Bauherr zusammen mit dem Architekten so lange überlegen, bis alle zufrieden – oder besser gesagt: begeistert – sind. Ansonsten spielt heute natürlich der energetische Faktor eine große Rolle. Daher ist die Dämmung eines Gebäudes sehr wichtig, insbesondere die Fensterisolierung.

Wie ist das Thema Nachhaltigkeit im Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern und im Bewusstsein der Bauherren verankert?
Das Thema ist immer stärker präsent. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) hat hier eine starke Wirkung hinterlassen. Über die verringerten Verbrauchswerte wurde die Nachhaltigkeit, teilweise unbewusst, beeinflusst. Mit Nachhaltigkeit ist aber auch eine generationsübergreifende Denkweise gemeint. Deshalb sollten Funktionen flexibel verteilt werden können. So wird ein Spielzimmer zum Gästezimmer. Ein Kinderzimmerbereich zur später vermieteten Einliegerwohnung oder zum häuslichen Wellnessbereich.

Wie lassen sich Ein- und Zweifamilienhäuser besonders energieeffizient gestalten?
Das Ziel muss sein, beim Gebäude eine möglichst geringe Außenwandfläche zu erzielen. Die beste Form dafür wäre rund. Da diese Form natürlich praktisch nie zur Ausführung kommt, ist die kubische Form am sinnvollsten. Die Außenhülle muss dann ausreichend gedämmt sein. Zum bestmöglichen Wärmeschutz zählen dabei auch gute Fenster. Grundsätzlich sollte man nur so viel Fläche bauen, wie man benötigt. Je mehr Fläche, desto grösser wird die Außenwandfläche. Eine Raumhöhe von 2,40 Metern kann für viele Räume ausreichend sein.

Wie sieht eine moderne Wärmeversorgung aus?
Zunächst ist die Isolierung der Außenhülle das Wichtigste. Danach kommt eine moderne und neue Heizungsanlage, im herkömmlichen Sinn mit Gas betrieben. Der dritte Faktor sind die technischen Verbesserungen wie Luft- oder Erdwärmepumpe, Solare Trinkwassererwärmung oder Photovoltaikanlage. Diese drei Überlegungen sollten in der Reihenfolge bestehen bleiben und sind letztendlich vom Etat und der ideologischen Einstellung abhängig.

Welcher Komfort ist im modernen Hausbau möglich und gängig?
Natürlich ist es mittlerweile möglich, seine Heizungsanlage aus dem Urlaub zu bedienen. Gängig ist dies noch nicht, da es einen erheblichen Kostenfaktor darstellt. Daher muss man immer schauen, wie weit der Bauherr über neue Techniken informiert werden möchte. Dazu sind persönliche Gespräche notwendig. Elektrische Rollläden sind inzwischen Standard.

Welche Trends gibt es bei der Raumaufteilung und Innenraumgestaltung?
Man kann hier nicht von Trends sprechen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich eine offene Bauweise durchgesetzt. Aber es gibt auch immer noch diejenigen, die eine geschlossene Küche haben möchten. Kamine sind ein wichtiges Thema. Viele Fenster und dadurch helle Räume ein weiteres. Es wird heute funktionaler gebaut. Die Größe der Räume wird stärker überdacht als früher. Kleine Kinderzimmer sind allerdings out.

Welche Anforderungen stellen sich an Brandschutz, Einbruchschutz und Co.?
Der Einbruchschutz ist in den letzten Jahren immer stärker im Kommen. Rauchmelder sind heute Pflicht für den Neubaubereich und bei einer Sanierung.

Wie sind die Abläufe bei einem individuell geplanten Hausprojekt? Wie werden die Bauherren eingebunden, wie läuft eine klassische Beratung ab etc.?
Wie schon gesagt, ist die Planungsphase die wichtigste beim Hausbau. Hier sollte man nichts überstürzen. Wir gestalten die Beratung so, dass wir uns einmal die Woche zu einem festen Termin mit dem Bauherren zusammensetzen. Wir haben keinen Entwurf aus der Schublade, sondern gehen auf die Bauherren ein. Wichtig bei der Planung ist auch die Lage. Welche Form hat das Grundstück? Welche Blickbeziehungen ergeben sich? Welche Winkel weist es auf? All das sind Fragen, die bei der Erstellung des Entwurfs erörtert werden müssen. Steht der Entwurf und kann der Bauantrag eingereicht werden, gibt es zwei Möglichkeiten. Die erste ist, alle Gewerke gleichzeitig auszuschreiben. Das hat den Vorteil einer noch besseren Kostenkontrolle. Die zweite Möglichkeit ist, nach Bauzeitenplan auszuschreiben und die Materialen auszusuchen. Wir haben mit dieser zweiten Variante bessere Erfahrungen gemacht, da der Bauherr erfahrungsgemäß etwas Zeit braucht, um sich viele Dinge vorzustellen. Wenn schon etwas gebaut ist, fällt die Vorstellung leichter. Außerdem können sich die Geschmäcker im Detail auch während der Bauphase ändern.

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Architekt bei den notwendigen Vorarbeiten zum Hausbau?
Das kann individuell gestaltet werden. Natürlich sind wir auch bereit, Aufgaben wie die Grundstückssuche oder Förderanträge zu übernehmen. Üblich ist allerdings, dass die Bauherrschaft das Grundstück alleine sucht und die Förderanträge von der Bank übernommen werden. Ein gemeinsames Aussuchen des Grundstückes würden wir uns allerdings wünschen.

Worauf sollten Bauherren bei den Formalien achten? Wo lauern die Fallstricke?
Grundsätzlich sollte das Bauen mit der richtigen Beratung keine Fallstricke bieten. Allerdings ist es wichtig von vorneherein zu wissen, was man möchte, und seinen Etat zu kennen. Ansonsten kann es zu späteren Änderungen kommen, die man eigentlich gar nicht will.

Wie begleiten Sie als Architekt die Bauphase? Welche Einflussmöglichkeiten gibt es für den Bauherren zu diesem Zeitpunkt noch?
Der Architekt begleitet den Bauherren gerne vom Grundstückskauf bis zur letzten Abwicklung der Kosten. Einflussmöglichkeiten gibt es für den Bauherrn immer. Auch Stornierungen sind bis zu einem gewissen Punkt nicht ausgeschlossen. Ansonsten kosten nachträgliche Änderungen natürlich Geld. Aber mit einer Beratung, die mindestens einmal in der Woche stattfindet, sollte im Vorfeld alles bedacht werden können.

Wie können Bauherren eine fachgerechte Bauausführung erkennen? Gibt es Indizien, die einem Laien ins Auge fallen?
Das wäre zu umfassend. Für jede Bautätigkeit gibt es quasi eine richtige und eine falsche. Man kann sich allerdings vorstellen, dass der Sockel wasserdicht und das Haus im allgemein luftdicht gebaut wird. Maßnahmen dazu sollten gewissenhaft ausgeführt werden. Diese kann man sich an der Baustelle erklären lassen, beziehungsweise sollte man sie beobachten.

Wie verhält sich ein Bauherr richtig, wenn er einen Baumangel erkennt?
In diesem Fall sollte er sofort dem Architekten Bescheid sagen und keine Panik an der Baustelle verursachen. Vielleicht war es gar kein Baumangel. Das würde dann für schlechte Stimmung sorgen. Gemeinsam mit dem Architekten kann man es klären. Wenn es sich um einen Baumangel handelt, ist die Firma verpflichtet den Fehler zu beheben.

Welche Bauweise bietet das größte Zukunftspotenzial?
Ich denke, dass der Holzbau seine Vorteile hat. Vor allem ist er deutlich schneller. Jedoch ist die deutsche Mentalität so, dass wir sicherlich noch lange Jahre massiv bauen werden.

Was zeichnet ein modernes Mehrfamilienhaus aus? Wo liegen die Trends?
Trendy ist hier vor allem der energetische Aspekt. Man findet viel schneller einen Mieter, wenn die Nebenkosten gering sind. Gestalterisch gibt es wenig Unterschiede zum Einfamilienhausbau. Penthäuser sind gerne gesehen.

Welche Bedeutung hat die altengerechte und barrierefreie Gestaltung von Mehrfamilienhäusern?
Die Bedeutung nimmt immer weiter zu. Der Gesetzgeber schreibt ab der neunten Wohnung eine behindertengerechte Wohnung vor. Außerdem muss ein Geschoss barrierefrei sein. Daran allein sieht man bereits, wo der Trend hingeht. Der Markt will es auch so, da viele ältere Menschen eine Eigentumswohnung suchen und ihren großen Garten nicht mehr betreiben wollen. Ein Aufzug im Haus und barrierefreie Übergänge sind da ein Kaufargument.

Welche Mehrwerte machen ein modernes Mehrfamilienhaus besser vermietbar?
Die wichtigsten Punkte sind eine energetische und barrierefreie Bauweise. Darüber hinaus scheinen im Moment kleine Wohnungen interessanter zu sein, insbesondere für Anleger. Das ist aber sicher nur eine Momentaufnahme.

Was zeichnet einen modernen Firmensitz aus? Welche Ansprüche sollten Unternehmen für ihr Verwaltungsgebäude haben?
Ein Verwaltungsgebäude muss vor allem zwei Aufgaben erfüllen. Es muss das Unternehmen entsprechend repräsentieren und gleichzeitig alle erforderlichen Funktionen bieten. Der Ansatz, mit dem ein solches Projekt startet, gleicht im Grunde dem beim Bau eines privaten Eigenheims. Zunächst werden die grundlegenden Ideen besprochen. Dann ändert es sich allerdings und man hat etwas mehr freie Hand, weil das vorrangige Ziel die Erfüllung der Funktionen und nicht der persönliche Geschmack eines Einzelnen ist.

Welche Anforderungen stellen sich an den modernen Industriebau? Wo liegen die aktuellen Trends?
Die Qualität ist in diesem Bereich sehr wichtig. Das eigene Programm sollte im Gebäude, in der Fassade, in der Funktionalität sichtbar sein.

Welche Herausforderungen stellen öffentliche Bauwerke?
Öffentliche Gebäude sind natürlich für viele Leute wichtig. Daher muss nicht wie ein Einfamilienhaus nur eine Person oder eine Familie begeistern, sondern vielleicht gleich eine ganze Stadt. Das Gebäude sollte innovativ sein, sich aber auch ins Stadtbild einfügen. Es sollte modern sein, aber auch konservativen Parteien gefallen.

Wie ist eine optimale Arbeitsstätte architektonisch gestaltet?
Bei einer Arbeitsstätte ist die Funktionalität das Wichtigste. Form follows function. Die Laufwege müssen kurz sein. Die Abläufe in der Produktion perfekt. Unter Berücksichtigung der brandschutztechnischen Auflagen ist außerdem Offenheit wichtig. Eine allgemeingültige Aussage zu dieser Frage ist allerdings schwierig.

Welche Anforderungen stellen sich an den Brandschutz im Nichtwohnbau? Welche Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich?
Es gibt sehr viele Möglichkeiten, nicht Gewolltes mit Alternativen zu kompensieren. Hier ist ein sehr enges Verhältnis mit der Genehmigungsbehörde wichtig. Wir arbeiten in solchen Phasen sehr eng mit den Behörden zusammen oder holen uns Unterstützung durch externe Brandschutzprüfer.

Welche Anforderungen muss ein Nichtwohnbau unter weiteren Sicherheitsaspekten erfüllen?
Wichtige Faktoren sind unter anderem die Unterteilung in Brandabschnitte, die Materialien im Bereich der Fluchtwege, Brandmeldeanlagen, die richtige Lüftung, Rauchmelder und eine ausreichende Zahl an Feuerlöschern. Welche Maßnahmen besonders wichtig sind, muss im jeweiligen Einzelfall geprüft werden.

Das Unternehmensgebäude als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie: Welches Potenzial bieten Siegel und Zertifikate zum nachhaltigen Bauen?
Siegel und Zertifikate können zeigen, dass hier so gearbeitet wird, wie nach DIN für diesen Betrieb die Arbeitsweise vorgeschrieben wird. Eine solche Auszeichnung unterstützt die positive Außendarstellung. Ob das für eine Nachhaltigkeit sorgt, kann man nur im Einzelfall bewerten. Nachhaltig heißt sowohl, dass durch die verwendeten Materialien eine lange Lebensdauer des Gebäudes erzielt wird, als auch dass eine flexible Nutzung durch Fremdfirmen oder bei Übergabe an spätere Firmen möglich ist.


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