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Architekteninterview mit Schaller + Sternagel architekten: Spezialisten für energieeffizientes Bauen

Schwerpunkt Wohnbau

Wieso sollten private Bauherren einen Architekten für die Planung und den Bau ihres Eigenheims beauftragen?
Durch die Beauftragung eines Architekten erhalten Bauherren eine individuell genau passende Lösung. Und sie werden zum Akteur bei Budget- und Qualitätsfragen. Wird das neue Eigenheim dagegen durch einen Bauträger errichtet, dann ist alles schon vorab durch jemand anderen entschieden worden und ich erhalte eine Lösung von der Stange.

Was zeichnet ein modernes privates Eigenheim aus?
Moderne Einfamilienhäuser zeichnen sich insbesondere durch eine hohe energetische Qualität der Gebäudehülle sowie durch ein nachhaltiges Konzept für die Gebäudetechnik aus. Eine bezahlbare Umsetzung steht dabei nicht im Widerspruch zu einer hochwertigen Architektur. Unser Anspruch ist jedenfalls ein gestalterisch integriertes, hoch-energieeffizientes Bauen zu erschwinglichen Preisen.

In welchen Bereichen sollten Bauherren auf keinen Fall sparen?
An der energetischen Qualität der Gebäudehülle und der Fenster. Denn an diesen Grundbedingungen lässt sich später nicht mehr viel ändern. Die Gebäudetechnik lässt sich dagegen deutlich leichter austauschen und immer wieder an den Stand der Technik anpassen.

Wie ist das Thema Nachhaltigkeit im Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern und im Bewusstsein der Bauherren verankert?
Bei unserer Zielgruppe hat sich die Notwendigkeit des Themas in den vergangenen Jahren immer mehr durchgesetzt. Früher mussten wir in diesem Bereich mehr Überzeugungsarbeit leisten. Die Wünsche unserer Bauherrn sind jedoch ganz verschieden: Manche Bauherren verstehen unter Nachhaltigkeit vor allem, dass das Gebäude möglichst lange steht, für andere geht es dagegen in erster Linie um die Verwendung weitgehend unbedenklicher Baustoffe im Innenraum. Oder sie haben einen möglichst geringen Energiebedarf oder ein möglichst autarkes Haus im Blick.

Wie lassen sich Ein- und Zweifamilienhäuser besonders energieeffizient gestalten?
Das ist ein sehr komplexes Thema. Die Basis ist jedoch in jedem Fall eine gut gedämmte und dichte Gebäudehülle in Passivhausqualität. Unser 2013 fertiggestelltes Energie-Plus-Haus im Allgäu haben wir zum Beispiel als hochgedämmten Holzständerbau errichtet. Stützenfreie Glasecken und bodentiefe Verglasungen nach Süden sorgen dabei für Tageslicht und passive solare Gewinne. Die Haustechnik kann dagegen flexibel gestaltet werden.

Wie sieht eine moderne Wärmeversorgung aus?
Das hängt ganz von den Gegebenheiten vor Ort und von den individuellen Wünschen der Bauherren ab. Generell empfehlen wir Niedertemperaturheizflächen und die Einbindung von solaren Energien. Bei unserem Energie-Plus-Haus im Allgäu wird der Restwärmebedarf alternativ durch ein Lüftungskompaktgerät mit Wärmepumpe und Wärmerückgewinnung gedeckt, das seine Energie aus zwei Erdwärmekörben im Grundstück bezieht. Bei unserem Plusenergie-Schwarzwaldhaus in Fischbach haben wir stattdessen eine Erdreich-Sole-Wärmepumpe sowie eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung integriert.

Was muss bei der Energieversorgung noch beachtet werden?
Neben der Wärmeversorgung für die Heizung gerät der Energiebedarf für die Warmwasserbereitung immer stärker in den Fokus. Denn hier sind die Verbräuche in den vergangenen Jahren nicht zurückgegangen, sondern durch veränderte Nutzungen immer weiter gestiegen. Bei Passivhäusern ist es zum Beispiel inzwischen so, dass bereits 60 Prozent der Energie auf die Warmwasserbereitung entfallen. Sinnvoll kann daher auch der Einsatz sparsamer Durchlauferhitzer sein, die das Wasser nicht tagelang vorhalten müssen. Das entlastet dann auch die Wärmepumpe, die ja vor allem zur Bereitstellung von niedertemperierter Wärme gut geeignet ist.

Welcher Komfort ist im modernen Hausbau möglich und gängig?
Möglich ist alles. Die Frage ist, ob alles was machbar ist auch sinnvoll ist. Insgesamt bin ich hier aber sehr skeptisch und frage mich, wer mir hier was verkaufen will. Das Haus wird durch solche Spielereien jedenfalls nicht substanziell besser.

Welche Trends gibt es bei der Raumaufteilung/Innenraumgestaltung?
Da hat sich in den vergangenen Jahren gar nicht so viel getan, große Unterschiede gibt es eher zu den 1950er- und 1960er-Jahren. Je nach Vorliebe und individueller Lebensplanung sind heute die unterschiedlichsten Innenraumkonzepte möglich. Ein Standard sind inzwischen aber große offene Bereiche zum Wohnen, Essen und Kochen.

Wie sind die Abläufe bei einem individuell geplanten Hausprojekt?
Im Rahmen der Grundlagenermittlung ermitteln wir zunächst die Wünsche und Randbedingungen des Bauherren. Wichtig dabei ist, dass der Bauherr der Akteur bleibt. Über Vorentwürfe und Entwürfe arbeiten wir uns danach immer näher an die Lösung heran, auch in energetischer Hinsicht. Steht der Entwurf, dann stellen wir den Bauantrag für die gewählte Lösung. Anschließend erstellen wir die Werkplanung und die notwendigen Leistungsverzeichnisse, holen mehrere Angebote ein und empfehlen dann dem Bauherrn Firmen zur Vergabe der Aufträge, bevor es dann mit dem Bauen losgeht.

Welche Aufgaben übernehmen Sie als Architekt bei den notwendigen Vorarbeiten zum Hausbau?
Wir können im Prinzip alles im eigenen Büro ausführen, was vom Bauherrn beauftragt wird, auch energetische Berechnungen und PHPP-Berechnungen.

Worauf sollten Bauherren bei den Formalien achten?
Fallstricke lauern beim Bauen überall. Wir beraten unsere Bauherren auch bei der Gestaltung der Bauverträge.

Wie begleiten Sie als Architekt die Bauphase?
Wir übernehmen auch die komplette Bauleitung, in der Regel bis zur Hausübergabe.

Wie können Bauherren eine fachgerechte Bauausführung erkennen?
Ein wichtiges Indiz sind stimmige Details, wie die Ausbildung der Dachränder oder des Sockels. Oft lässt sich aber erst nach einigen Jahren erkennen, wie gut ein Gebäude altert. Dies lässt sich jedoch durch gute Planung bereits im Vorfeld gestalten.

Welche Bauweise bietet das größte Zukunftspotenzial?
Aus unserer Sicht der vorgefertigte Holzbau. Denn durch die Vorfertigung können große Energiemengen eingespart werden. Das wird schnell deutlich, wenn man einmal ausrechnet, wie viel Zeit und Sprit durch die vielen Anlieferungen während der Bauzeit verbraucht wird. An dieser Stelle sind wir aber nicht dogmatisch. Die letzte Entscheidung fällt immer der Bauherr, vielleicht eben auch für einen Massivbau.

Was zeichnet ein modernes Mehrfamilienhaus aus und wie lässt es sich am besten vermieten?
Moderne Einfamilienhäuser überzeugen durch eine hohe energetische Qualität und durch gut durchdachte Konzepte für die Gebäudetechnik. Besonders geeignet sind hier solare Konzepte, weil es hier Überlagerungskonzepte gibt und ich so auch die Warmwasserbereitung mitversorgen kann. Wichtig ist außerdem die Ausrichtung der Wohnräume nach Süden und die Schaffung von gut nutzbaren Balkonen. Gut durchdachte Grundrisse sollten außerdem eine maximale Flexibilität und Umbaubarkeit ermöglichen.

Welche Bedeutung hat die altengerechte/barrierefreie Gestaltung von Ein- und Mehrfamilienhäusern?
Das barrierefreie Bauen hat in einer alternden Gesellschaft eine immer größere Bedeutung. In jedem Mehrfamilienhaus sollten wenigstens zwei Wohnungen im Erdgeschoss barrierefrei geplant werden.


Schwerpunkt Nicht-Wohnbau

Was zeichnet einen modernen Firmensitz aus?
Der Neubau eines Firmengebäudes bietet einem Unternehmen die Gelegenheit, seine Philosophie nach außen zu präsentieren. Neben einer hohen Energieeffizienz sollten deshalb Faktoren wie Klarheit, Einfachheit und Transparenz im Vordergrund stehen.

Welche Anforderungen stellen sich an einen modernen Industriebau?
Hier gelten ähnliche Anforderungen. Hinzu kommt aber, dass in diesem Bereich erst ganz allmählich über Energieeffizienz nachgedacht wird. In der Regel wird zum Beispiel die Abluft ohne Wärmerückgewinnung nach draußen geblasen, was wiederum erfordert,  parallel dazu die Halle mit viel Energie wieder aufzuwärmen. In diesem Bereich sehe ich noch große Potenziale.

Welche Herausforderungen stellen öffentliche Bauwerke?
Bei öffentlichen Bauwerken geht es in erster Linie um die Sicherstellung niedriger Betriebskosten in guten Gebäuden. Den nur so können Kommunen diese Gebäude dann auch auf lange Sicht betreiben. Dieser praktische Aspekt führt leider oft zur Vernachlässigung der Gestaltung. Die Aufgabe für Architekten ist es daher, die verschiedenen Aspekte möglichst überzeugend zu integrieren und unter den oft schwierigen Rahmenbedingungen gute Architektur zu schaffen.

Wie ist eine optimale Arbeitsstätte architektonisch gestaltet?
Eine moderne Arbeitsstätte sollte auf jeden Fall angenehm hell und funktional, sowie mit warmen Oberflächen gestaltet sein.

Das Unternehmensgebäude als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie: Welches Potenzial bieten Siegel und Zertifikate zum nachhaltigen Bauen?
Die unterschiedlichen Siegel und Zertifikate bieten große Potenziale zur Positionierung des Unternehmens. Durch die hohen Kosten sind sie allerdings eher für sehr große Projekte geeignet. Als sinnvoll auch für kleinere Projekte erachte ich dagegen das Passivhaus-Zertifikat durch das Passivhaus-Institut in Darmstadt oder eine lizensierte Zertifizierungsstelle.


Zum ausführlichen Architektenprofil und Referenzen von schaller + sternagel Architekten

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