Bewertungen (0)

Architekteninterview mit Ansgar Beinke: Hochwertige Planung für vielfältige Bauaufgaben

Schwerpunkt Nicht-Wohnbau

Einer Ihrer Schwerpunkte ist der Bau von Bürogebäuden. Was zeichnet einen modernen Firmensitz aus?
Neben einer hohen Flächeneffizienz und einer CI-gerechten Architektur, die die Firmenphilosophie des Unternehmens widerspiegelt, stehen für uns vor allem die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter im Zentrum: Ein modernes Bürogebäude sollte einerseits den Austausch zwischen den Mitarbeitern räumlich fördern, es sollte andererseits aber auch Rückzugsmöglichkeiten für kurze Erholungen während der Arbeitszeit bieten. Weitere wichtige Aspekte sind ein gutes Binnenraumklima bei nachhaltigem Energieumgang sowie gut gewählte Farb- und Raumkonzepte, die die Menschen positiv beeinflussen.

Gibt es hier aktuelle Tendenzen?
Die Innenraumgestaltung von Bürogebäuden wird stark von Design und Mode beeinflusst. Wirklich gute Innenraumgestaltung sollte sich aber frei von diesen aktuellen Strömungen machen und vor allem den Nutzern dienen. Neue Materialentwicklungen oder Bearbeitungsmöglichkeiten stehen dazu nicht in Widerspruch, sondern schaffen vielfältige Möglichkeiten für eine zeitlose Gestaltung.

Welche Anforderungen stellen sich demgegenüber an einen modernen Gewerbebau?
Wichtig ist auch hier die Darstellung der Firmenphilosophie bzw. der Marke des vor Ort produzierten Produktes durch die Architektur. Zudem sollte der Entwurf möglichst flexibel sein, um je nach Bedarf  verschiedene Nach- oder Umnutzungen zu ermöglichen. Zunehmende Bedeutung erhält außerdem das Thema Nachhaltigkeit: Im günstigsten Fall erzielt das Gebäude durch die Nutzung von industrieller Abwärme oder durch sonstige Technologien sogar Energiegewinne.

Parallel planen Sie auch im Bereich Sport und Bildung. Wie hat sich dieser Schwerpunkt ergeben?
Ein wichtiger Baustein ist hier die Zusammenarbeit mit dem HSV, die sich aufbauend auf meine Projekte für die ECE-Gruppe ergeben hat. 2012 haben wir das Trainingszentrum für den Bundesligisten fertiggestellt, aktuell planen wir ein Clubhaus und ein Umkleidehaus für den Verein in Norderstedt. Ganz wichtig sind mir andererseits aber auch die Erfahrungen, die ich während meines Studiums im Rahmen einer Hilfsaktion von educAID für Überschwemmungsopfer in Mosambik gesammelt habe. In einem Team von zehn Studenten haben wir damals ein Schulgebäude in Hókwe in traditioneller Bauweise realisiert.

Parallel dazu sind Sie auch im Bauen im Bestand tätig. Was macht für Sie den Reiz dieser Bauaufgabe aus?
Beim Bauen im Bestand fasziniert mit vor allem der Umgang mit denkmalgeschützter oder erhaltenswerter Bausubstanz. Je nach Objekt müssen dort ganz individuelle Lösungen entwickelt werden, um die Potenziale des jeweiligen Gebäudes optimal zu nutzen und zur Geltung zu bringen.

Wie hat sich dieser Schwerpunkt ergeben?
Das grundlegende handwerkliche und ästhetische Verständnis für das Thema Bauen im Bestand habe ich schon vor meinem Studium während meiner Ausbildung zum Zimmerer erworben. Im Anschluss daran habe ich mehrere Jahre lang im Bereich Fachwerkbau und Fachwerksanierung gearbeitet. Diese Erfahrungen mögen auf den ersten Blick wenig mit modernen Entwurfstheorien und -strategien zu tun haben, sie bieten mir aber eine breite Basis, um unterschiedlichste Bauaufgaben fachgerecht umsetzen zu können.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei der Zusammenarbeit mit Ihren Bauherren?
Die Basis für die Zusammenarbeit ist ein partnerschaftlicher Dialog. Nur auf dieser gemeinsamen Basis lassen sich die gestalterischen und wirtschaftlichen Vorstellungen des Bauherrn umsetzen und optimale Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen entwickeln.

Wie würden Sie Ihre architektonische Herangehensweise beschreiben, welches grundlegende gestalterische Konzept verfolgen Sie?
Das gewählte Gestaltungskonzept entsteht erst aus der genauen Analyse der zugrundeliegenden Nutzung und der individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Bauherren. Bei unserem Neubau des ISI-Gründerzentrums in Buchholz haben wir zum Beispiel eine klare, moderne Architektursprache mit starken Farb- und Materialkontrasten gewählt, um ein markantes Aufbruchssignal zu schaffen. Bei unserem Umbau der Büroflächen von Booking.com in Berlin ging es vorrangig darum, das Selbstverständnis und die moderne Mitarbeiterkultur eines weltweit agierenden Anbieters von Online-Reservierungen umsetzen.

Kommt es trotz dieser engen Abstimmung mit Ihren Bauherren vor, dass kurz vor oder während der Bauphase noch Änderungswünsche auftreten?
Ja, das kommt häufig kurz vor der Bauphase noch einmal vor, weil bei fortgeschrittenem Projektverlauf weitere Entscheidungsträger eingebunden werden oder sich auch schon mal die Grundvoraussetzungen ändern. In der Bauphase selbst handelt es sich dann meist um kleinere, nicht substantielle Änderungen.

Wie lassen sich Gestaltung und Bezahlbarkeit harmonisch vereinen?
Am besten natürlich durch ein entsprechendes Budget des Bauherren. In vielen Bereichen ist es aber auch möglich, eine zeitgemäße und funktionale Gestaltung umzusetzen, die nicht zwingend hochwertig sein muss und die sich somit auch kostengünstiger realisieren lässt. Das gilt gerade bei Umbauten. Denn hier kommt es darauf an, respektvoll mit dem vorhandenen Bestand umzugehen und dem Vorhandenen möglichst kein gewünschtes Bild aufzudrücken. Das wird oftmals teuer, ohne wirklich hochwertig zu sein.

In welchen Bereichen sollten Bauherren auf keinen Fall sparen?
Nicht sparen sollten Bauherrn vor allem bei der Planung, beim Fundament, beim Dach und bei der Raumgestaltung.

Wie stark sind die Themen Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz im Bewusstsein Ihrer Bauherren verankert?
Das Thema ist bei den meisten Bauherren sehr präsent. Deshalb untersuchen wir bei jedem Projekt unterschiedliche Möglichkeiten zur energetischen Nachhaltigkeit. In punkto Energie-Effizienz sind zuallererst die richtige Lage und Ausrichtung des Gebäudes entscheidend. Daneben geht es natürlich um die richtige Konstruktion der Fassade und der Dachaufbauten. Zur Wärmeversorgung wählen wir je nach Objekt und Nutzer unterschiedlichste Technologien wie Wärmepumpe, Solarthermie oder Erdwärme.

Welche Bauweise bietet das größte Zukunftspotenzial?
Das größte Zukunftspotenzial haben meiner Meinung nach die Nachverdichtung und das Bauen im Bestand. Beides vermeidet weitere Flächenversiegelungen und bietet einen wachsenden Markt.

Das Unternehmensgebäude als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie: Welches Potenzial bieten Siegel und Zertifikate zum nachhaltigen Bauen?
Die Auszeichnungen nach DGNB oder LEED etc. spiegeln den Willen des Bauherrn wider, seinen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Zertifizierung schafft aber nicht nur einen ökologischen Mehrwert, sie eignet sich damit gleichzeitig auch zu Werbezwecken. Der Bauherr erhält also zusätzlich zu einem guten Gewissen einen echten Image-Gewinn für seine ehrlichen Bemühungen für eine umweltschonende und nachhaltige Bauweise. Im Endeffekt wird somit noch mehr in diesem Bereich investiert.


Zum ausführlichen Architektenrofil und Referenzen von Asgar Beinke

ARCHITEKTEN - SUCHE

NEWSLETTER

Bleiben Sie informiert!


RÜCKRUF SERVICE

Sie haben Fragen? Wir antworten!




DOWNLOADS
Nicht vorhanden